Was soll ich studieren?

Du weißt noch nicht was du studieren willst. Willkommen im Club — so geht's richtig.

~32.000 Studiengänge in DE
25 % wechseln den Studiengang
Kein Berater nötig
5 Min. Selbst-Test
Student sitzt allein nachdenklich im leeren Hörsaal — was soll ich studieren?

Redakteur Leon Fischer hat Wirtschaftsinformatik studiert — nach einem Jahr Informatik das er aus dem falschen Grund wählte. Was er dabei gelernt hat: Die meisten machen beim Studiengang-Wählen dieselben drei Fehler.

Es war Oktober. Der erste Unitag. Der Hörsaal war randvoll, alle wirkten als hätten sie einen Plan — ich hatte keinen. Ich hatte Informatik gewählt weil "man damit überall landen kann". Das hatte mir irgendwer gesagt. Wer genau, weiß ich nicht mehr.

Nach einem Semester hatte ich mich zur Wirtschaftsinformatik umgemeldet. Und zum ersten Mal das Gefühl: Das hier passt.

Was du hier findest: nicht die übliche Berater-Liste von Studiengängen. Sondern einen Weg wie du herausfindest was wirklich zu dir passt — auch wenn du gerade komplett blank bist.

Die drei Fehler beim Studiengang wählen

Fehler 1: "Damit kann man überall landen"

Das sagen alle über BWL, Jura und Informatik. Wer ein Fach wählt ohne eigene Stärken-Grundlage, landet nirgends besonders gut. Universalität ist kein Trumpf — Stärke ist ein Trumpf.

Fehler 2: "Das hat mein Vater auch studiert"

Familiärer Rat kommt aus einer anderen Arbeitswelt. Viele Berufe die es vor 20 Jahren nicht gab, sind heute die gefragtesten. Und manche als sicher geltende Branchen stehen unter massivem Druck.

Fehler 3: "Ich warte bis ich weiß was ich will"

Wer auf den Moment der Klarheit wartet bevor er startet, wartet oft lange. Klarheit kommt durch Tun — nicht durch Warten. Ein Semester Schnupper-Studium bringt dir mehr als ein Jahr Nachdenken.

Der Dreischritt: So findest du deinen Studiengang

1
Stärken-Inventur

Was fällt dir leicht wofür andere kämpfen? Was sagten dir Lehrer, Kollegen, Freunde dass du gut kannst — auch wenn es dir selbstverständlich vorkommt? Das sind deine echten Stärken, nicht die die du gerne hättest.

2
Interesse-Test

Was schaust du freiwillig auf YouTube? Über welche Themen liest du ohne Auftrag? Welche Probleme findest du "eigentlich interessant"? Das zweite "eigentlich" ist wichtig — die Themen die du interessant findest aber nie erwähnen würdest weil sie "uncool" klingen.

3
Realitäts-Check

Welche Berufsfelder suchen genau diese Stärken + Interessen? Google: "Berufe die [Stärke] brauchen". Dann: "Studiengang der zu [Beruf] führt". Das ist deine Short-List. Schreib 3–5 Hochschulen an, frag ob du eine Vorlesungswoche schnuppern kannst.

Welcher Studiengang passt zu dir? — Schnell-Orientierung

Wenn du gerne... Dann schau dir an Gehalt Einstieg
...Probleme löst und logisch denkst Informatik, Wirtschaftsinformatik, Mathematik 40.000–55.000 €
...mit Menschen arbeitest & kommunizierst Pädagogik, Soziale Arbeit, Psychologie (M.Sc.) 32.000–45.000 €
...Dinge baust, reparierst, optimierst Maschinenbau, Elektrotechnik, Bauingenieur 42.000–56.000 €
...Zahlen, Bilanzen, Märkte analysierst BWL, VWL, Controlling, Finance 35.000–50.000 €
...Gesetze, Ordnung, Gerechtigkeit interessant findest Jura, Öffentl. Recht, Kriminologie 35.000–55.000 €
...heilst, hilfst, pflegst Medizin, Pflege, Physiotherapie, Pharmazie 38.000–70.000 €
...Natur, Klima, Umwelt schützt Umwelttechnik, Biologie, Geowissenschaften 34.000–46.000 €
...kreativ gestaltest & visuelle Dinge liebst Design, Architektur, Medien, UX/UI 28.000–45.000 €
Wichtiger Hinweis zu den Gehaltsangaben

Die Zahlen sind Einstiegsgehälter für den Bundesschnitt — stark abhängig von Bundesland, Hochschule, Branche und eigener Leistung. Top-Performer in "schlechten" Fächern verdienen oft mehr als Mittelmaß in "guten" Fächern. Quelle: Detaillierter Gehaltsvergleich →

Was wenn du dich immer noch nicht entscheiden kannst?

Es gibt Situationen in denen keine Tabelle und kein Ratgeber hilft. Dann lohnt sich ein anderer Ansatz:

Gap Year oder FSJ/BFD

Ein Jahr Orientierung — Jobschatten in 2–3 Berufen. Nicht um Zeit zu "verschwenden", sondern um mit echter Datenbasis zu entscheiden. → Gap Year Guide → | FSJ/BFD →

Duales Studium

Du studierst und verdienst gleichzeitig. Keine Finanzierungsfragen, dafür direkte Praxiserfahrung. → Duales Studium →

Ausbildung + Studium später

Viele starten mit einer Ausbildung und studieren berufsbegleitend oder danach. Kein falscher Weg. → Ausbildung oder Studium →

Schnuppervorlesungen nutzen

Fast jede Hochschule bietet Schnupperwochen für Studieninteressierte. Drei Tage erleben > drei Monate nachdenken.

Weiterführende Guides

NC-freie Studiengänge → FH oder Uni? → Duales Studium → Ausbildung oder Studium? → Studienberatung → Numerus Clausus erklärt → Bachelor — alles erklärt → Gehalt nach dem Studium →

Häufige Fragen: Was studieren?

Was soll ich studieren wenn ich keine Ahnung habe? +
Das ist der Normalfall — nicht die Ausnahme. Die meisten Studienanfänger wählen ihren Studiengang nach oberflächlichen Kriterien (Elternrat, Freunde, vermeintliches Gehalt). Sinnvoller ist dieser Dreischritt: 1) Stärken-Inventur: Was fällt dir leicht, wofür bekommst du Lob? 2) Interesse-Test: Was liest du freiwillig? Was YouTube-Rabbit-Holes schaust du? 3) Realitäts-Check: Schau welche Berufe zu deinen Antworten passen — und dann welche Studiengänge dorthin führen. Der Weg ist nicht: Studiengang → Job. Sondern: Stärken → Berufsfeld → passender Studiengang. Studienberatung hilft dabei: Studienberatung →
Welche Studiengänge haben die besten Jobaussichten? +
Laut Bundesagentur für Arbeit gelten folgende Fächer als besonders zukunftssicher: Informatik und IT (Fachkräftemangel auf Jahrzehnte), Ingenieurswesen (Maschinenbau, Elektrotechnik, Bauingenieur), Pflege- und Gesundheitswissenschaften, Erneuerbare Energien sowie klassisch Medizin und Zahnmedizin. BWL und Jura sind nicht schlecht, aber überfüllt — wer dort hervorsticht, braucht entweder Topnoten oder Spezialisierung. Wichtiger als das Fach ist oft die Hochschule und die eigene Leistung. Konkrete Zahlen: Gehalt nach dem Studium →
Lohnt es sich, etwas zu studieren das mir Spaß macht auch wenn es weniger verdient? +
Ja — mit einem entscheidenden Vorbehalt. Wenn du in einem Fach wirklich gut wirst, verdienst du damit deutlich mehr als ein Mittelmaß-Ingenieur. Das Gehalt hängt mehr an deiner Spezialisierung, deinen Noten und deinem Netzwerk als am Fach selbst. Sozialarbeiter mit Master und Führungserfahrung verdienen mehr als BWL-Absolventen mit 3,0-Schnitt. Das echte Risiko liegt nicht im "zu kreativ" — sondern im "wähle ich wirklich nach meinen Stärken oder flüchte ich ins Leichte?" Ausnahme: Fächer mit strukturell schlechtem Stellenmarkt (bestimmte Geisteswissenschaften auf dem freien Markt). Ausbildung oder Studium →
Was ist der Unterschied zwischen Bachelor und Master beim Studiengang wählen? +
Beim Studiengang wählen entscheidest du erst für den Bachelor. Der Master ist ein Aufbau-Schritt den du nach dem Bachelor frei wählen kannst — oft sogar in eine andere Richtung. Deshalb: Dein Bachelor muss kein Lebensbeschluss sein. Ein Informatik-Bachelor kann mit einem BWL-Master weitergehen. Ein Biologie-Bachelor öffnet Türen in Pharma, Forschung oder Science-Communication. Tipp: Wähle einen Bachelor der dir maximale Optionen lässt (Informatik, Wirtschaftswissenschaften, Ingenieurswesen) wenn du dir noch nicht sicher bist. Dann entscheidest du beim Master → zielgerichteter.
Welcher Studiengang ist am einfachsten? +
Die Frage führt in eine Falle: Der "einfachste" Studiengang ist der in dem du am stärksten bist. Geisteswissenschaften gelten als "leicht", aber wer nicht gut schreiben und strukturiert denken kann, scheitert trotzdem. Jura gilt als schwer, aber wer strukturiert lernt und gut memoriert, kommt gut durch. Objektiv gilt: NC-freie Studiengänge sind weniger selektiv beim Einstieg — aber nicht im Studium. Wenn du eine reale Frage hast: Wähle nie nach "einfach", sondern nach "womit bin ich erfolgreich". NC-freie Studiengänge →
Kann ich den Studiengang wechseln wenn ich gemerkt habe dass er falsch ist? +
Ja — und das ist häufiger als du denkst. Laut HIS-Institut wechseln ca. 25 % aller Studierenden mindestens einmal den Studiengang. Wichtig: Ein Wechsel im 1.–2. Semester kostet kaum Zeit. Ab dem 3. Semester werden je nach Fach Scheine angerechnet. Zwischen verwandten Fächern (z.B. Informatik → Wirtschaftsinformatik) verlierst du oft nur ein Semester. Und: Ein Studiengang-Wechsel im Lebenslauf wird nicht negativ bewertet — solange du ihn erklären kannst. Mehr dazu: Studium wechseln & BAföG → | Studiengang wechseln — Schritt für Schritt →
Muss ich wissen was ich nach dem Studium machen will bevor ich anfange? +
Nein. Die Idee, mit 18 Jahren seinen Berufsweg auf 40 Jahre festzulegen, ist eine kollektive Illusion. Was hilft: Nicht "Was will ich werden?" fragen, sondern "Was sind meine Stärken — und welches Feld braucht diese Stärken dringend?" Das zweite gibt dir eine robustere Entscheidungsgrundlage als jede Berufsvision. Konkret: Ein Studiengang in einem Feld mit Nachfrage + eigene Stärken = solide Basis. Den genauen Karrierepfad erkennst du oft erst im 3.–4. Semester. Viele Berufe in denen Absolventen landen, gab es beim Studiumsstart noch gar nicht.
Welcher Studiengang ist zukunftssicher? +
Zukunftssichere Studiengänge teilen ein Merkmal: Sie lösen Probleme die gesellschaftlich nicht verschwinden. Konkret: Alles rund um KI/Daten/Informatik (Fachkräftemangel auf Jahrzehnte), Gesundheitsberufe (demografischer Wandel), Ingenieurfächer für Energiewende (Elektrotechnik, Umwelttechnik, Maschinenbau), Pädagogik und Soziales (Krise in Bildung und Pflege, staatlich gesicherte Stellen). Was in 20 Jahren obsolet sein könnte: stark regelbasierte Bürojobs ohne Kreativanteil — die Fächer die primär darauf vorbereiten, haben ein mittelfristiges Risiko. KI im Studium →
Soll ich BWL studieren? +
BWL ist das meistgewählte Fach in Deutschland — was bedeutet: Der Markt ist übersättigt mit Durchschnitts-BWLern. Wenn du BWL wählst, musst du dich differenzieren: Spezialisierung (Finance, Controlling, Marketing), Topnoten, Auslandserfahrung, oder eine technische Zweitqualifikation (z.B. BWL + Informatik = Wirtschaftsinformatik). Einstiegsgehalt BWL-Bachelor: 35.000–42.000 €. Mit gutem Master und Spezialisierung: 50.000–70.000 €. Wer BWL "wählt weil man damit überall landen kann" — der landet nirgends besonders. Besser: Entscheidungshilfe Ausbildung vs. Studium →
Hilft ein Studienberatungsgespräch wirklich? +
Es kommt auf die Art an. Schulische Berufsberatung (Agentur für Arbeit) ist oft generisch. Besser: Direkt bei der Hochschule einen Probevorlesungstag buchen — die meisten Unis bieten das an. Oder: Online-Self-Assessments nutzen (z.B. Hochschulkompass der HRK, Studifinder, oder das Berufseignungstest-Angebot der Bundesagentur). Das Gespräch mit Studierenden im zweiten oder dritten Semester ist oft am wertvollsten — sie wissen was wirklich erwartet wird. Konkrete Schritte: Studienberatung-Guide →
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Leon Fischer Redakteur, StudierenGuru

Hat selbst erlebt wie es ist keinen Plan zu haben — und dann im falschen Studiengang zu sitzen. Schreibt für StudierenGuru über Hochschulen, Studiengangs-Entscheidungen und alles was zwischen Abitur und Berufseinstieg liegt.