Du weißt noch nicht was du studieren willst. Willkommen im Club — so geht's richtig.
Redakteur Leon Fischer hat Wirtschaftsinformatik studiert — nach einem Jahr Informatik das er aus dem falschen Grund wählte. Was er dabei gelernt hat: Die meisten machen beim Studiengang-Wählen dieselben drei Fehler.
Es war Oktober. Der erste Unitag. Der Hörsaal war randvoll, alle wirkten als hätten sie einen Plan — ich hatte keinen. Ich hatte Informatik gewählt weil "man damit überall landen kann". Das hatte mir irgendwer gesagt. Wer genau, weiß ich nicht mehr.
Nach einem Semester hatte ich mich zur Wirtschaftsinformatik umgemeldet. Und zum ersten Mal das Gefühl: Das hier passt.
Was du hier findest: nicht die übliche Berater-Liste von Studiengängen. Sondern einen Weg wie du herausfindest was wirklich zu dir passt — auch wenn du gerade komplett blank bist.
Das sagen alle über BWL, Jura und Informatik. Wer ein Fach wählt ohne eigene Stärken-Grundlage, landet nirgends besonders gut. Universalität ist kein Trumpf — Stärke ist ein Trumpf.
Familiärer Rat kommt aus einer anderen Arbeitswelt. Viele Berufe die es vor 20 Jahren nicht gab, sind heute die gefragtesten. Und manche als sicher geltende Branchen stehen unter massivem Druck.
Wer auf den Moment der Klarheit wartet bevor er startet, wartet oft lange. Klarheit kommt durch Tun — nicht durch Warten. Ein Semester Schnupper-Studium bringt dir mehr als ein Jahr Nachdenken.
Was fällt dir leicht wofür andere kämpfen? Was sagten dir Lehrer, Kollegen, Freunde dass du gut kannst — auch wenn es dir selbstverständlich vorkommt? Das sind deine echten Stärken, nicht die die du gerne hättest.
Was schaust du freiwillig auf YouTube? Über welche Themen liest du ohne Auftrag? Welche Probleme findest du "eigentlich interessant"? Das zweite "eigentlich" ist wichtig — die Themen die du interessant findest aber nie erwähnen würdest weil sie "uncool" klingen.
Welche Berufsfelder suchen genau diese Stärken + Interessen? Google: "Berufe die [Stärke] brauchen". Dann: "Studiengang der zu [Beruf] führt". Das ist deine Short-List. Schreib 3–5 Hochschulen an, frag ob du eine Vorlesungswoche schnuppern kannst.
Die Zahlen sind Einstiegsgehälter für den Bundesschnitt — stark abhängig von Bundesland, Hochschule, Branche und eigener Leistung. Top-Performer in "schlechten" Fächern verdienen oft mehr als Mittelmaß in "guten" Fächern. Quelle: Detaillierter Gehaltsvergleich →
Es gibt Situationen in denen keine Tabelle und kein Ratgeber hilft. Dann lohnt sich ein anderer Ansatz:
Ein Jahr Orientierung — Jobschatten in 2–3 Berufen. Nicht um Zeit zu "verschwenden", sondern um mit echter Datenbasis zu entscheiden. → Gap Year Guide → | FSJ/BFD →
Du studierst und verdienst gleichzeitig. Keine Finanzierungsfragen, dafür direkte Praxiserfahrung. → Duales Studium →
Viele starten mit einer Ausbildung und studieren berufsbegleitend oder danach. Kein falscher Weg. → Ausbildung oder Studium →
Fast jede Hochschule bietet Schnupperwochen für Studieninteressierte. Drei Tage erleben > drei Monate nachdenken.
Hat selbst erlebt wie es ist keinen Plan zu haben — und dann im falschen Studiengang zu sitzen. Schreibt für StudierenGuru über Hochschulen, Studiengangs-Entscheidungen und alles was zwischen Abitur und Berufseinstieg liegt.
Rebecca Elizabeth · 14 Min
Die Frage „Was soll ich studieren?" gehört zu den schwierigsten Entscheidungen im Leben junger Erwachsener – und gleichzeitig zu den am häufigsten aufgeschobenen. Viele Studienanfänger wählen ihr Fach unter Zeitdruck, weil das Abitur gerade hinter ihnen liegt und alle um sie herum scheinbar schon wissen, wohin sie wollen. Das Ergebnis: Rund ein Drittel aller Studierenden in Deutschland bricht das erste Studium ab oder wechselt das Fach innerhalb der ersten vier Semester. Die Entscheidung, was man studieren möchte, verdient deshalb deutlich mehr Aufmerksamkeit, Zeit und Methode, als die meisten ihr geben.
Dieser Artikel zeigt dir, wie du systematisch vorgehst, welche Fragen du dir stellen solltest und welche Fehler du vermeiden kannst. Es geht nicht darum, dir ein bestimmtes Fach zu empfehlen – das kann niemand außer dir selbst. Es geht darum, einen Rahmen zu schaffen, in dem du zu einer Entscheidung kommst, die wirklich zu dir passt.
Ein häufiger Grund für eine unbefriedigende Studienwahl ist, dass die Entscheidung nicht auf eigenen Interessen basiert, sondern auf äußeren Einflüssen: Eltern, Bekannte, Gehaltslisten oder das Image eines Fachs. Medizin, Jura und BWL gelten seit Jahrzehnten als Prestigefächer – entsprechend viele Menschen beginnen dort ein Studium, ohne ernsthaft geprüft zu haben, ob der Alltag in diesen Berufen tatsächlich zu ihnen passt.
Ein weiterer Fallstrick ist die Verwechslung von schulischen Leistungen mit echten Interessen. Wer in Mathematik gut war, denkt automatisch an Ingenieurwissenschaften oder Wirtschaft. Wer Deutsch mochte, landet schnell bei Germanistik oder Lehramt. Schulleistungen zeigen jedoch nur, was du bisher gut konntest – nicht unbedingt, was dich wirklich antreibt oder womit du dich jahrelang beschäftigen möchtest.
Hinzu kommt der Zeitdruck. Die Bewerbungsfristen fallen oft genau in eine Phase, in der Abiturientinnen und Abiturienten gerade erschöpft sind und nach Orientierung suchen. Wer in dieser Situation keine klare Antwort hat, greift häufig zu dem Fach, das sich im Moment am wenigsten falsch anfühlt – nicht zu dem, das sich am meisten richtig anfühlt.
Bevor du auch nur eine einzige Hochschule googelst, lohnt es sich, drei Dinge klar auseinanderzuhalten: deine Interessen, deine Stärken und deine Werte. Diese drei Kategorien beeinflussen deine Studienzufriedenheit auf ganz unterschiedliche Weise.
Interessen sind das, womit du dich freiwillig und ausdauernd beschäftigst. Nicht das, was du in der Schule gut fandest, sondern das, was du auch dann tust, wenn niemand es von dir verlangt. Liest du freiwillig Sachbücher über Geschichte? Schreibst du in deiner Freizeit Code? Verbringst du Stunden damit, Kunstprojekte zu planen? Solche Beobachtungen über dich selbst sind wertvoller als jeder Eignungstest.
Stärken ergänzen das Bild. Sie beschreiben, was dir leichtfällt und worin andere dir Kompetenz zuschreiben. Oft decken sich Stärken und Interessen – aber nicht immer. Wer sehr analytisch denkt, muss das nicht unbedingt faszinierend finden. Und wer sich für Kunst begeistert, muss nicht zwingend über handwerkliche Fähigkeiten verfügen.
Werte werden am häufigsten übersehen. Sie bestimmen, was dir in einem Berufsfeld wichtig ist: Sicherheit oder Freiheit? Teamarbeit oder eigenständiges Arbeiten? Gesellschaftlicher Nutzen oder wirtschaftlicher Erfolg? Wenn deine Werte im Widerspruch zur Kultur eines Berufsfelds stehen, wirst du dich dort nicht wohlfühlen – egal wie gut dein Abschluss ist.
Eine strukturierte Vorgehensweise hilft dabei, die Entscheidung nicht dem Zufall zu überlassen. Die folgende Schritt-für-Schritt-Liste orientiert sich an einem bewährten Prozess, den viele Studienberaterinnen und -berater empfehlen:
Neben der Fachfrage ist die Wahl des Hochschultyps oft unterschätzt. Universität, Fachhochschule und duale Hochschule unterscheiden sich erheblich in Struktur, Praxisnähe und Abschlussformat. Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten Unterschiede zusammen:
| Kriterium | Universität | Fachhochschule (HAW) | Duale Hochschule |
|---|---|---|---|
| Theorieanteil | Hoch | Mittel | Niedrig bis mittel |
| Praxisnähe | Gering (außer Praktika) | Hoch (Pflichtpraktika) | Sehr hoch (Wechselsystem) |
| Gehalt während Studium | Nein (außer Werkstudium) | Nein | Ja (Ausbildungsvergütung) |
| Forschungsmöglichkeiten | Sehr gut | Eingeschränkt | Kaum |
| Promotion möglich | Ja, direkt | Kooperativ möglich | Kooperativ möglich |
| Regelstudienzeit (Bachelor) | 6 Semester | 7 Semester (inkl. Praxis) | 6 Semester |
| Geeignet für | Wissenschaftsorientierte | Anwendungsorientierte | Praxisorientierte mit Berufsziel |
Die Entscheidung für einen Hochschultyp hängt eng mit dem gewählten Fach zusammen. Wer Physik oder Philosophie studieren möchte, ist in der Regel an einer Universität besser aufgehoben. Wer einen klar definierten Berufsweg wie Soziale Arbeit, Wirtschaftsinformatik oder Maschinenbau anstrebt, findet an einer Fachhochschule oft einen direkteren Weg ins Berufsleben.
Ein Studium ist kein Selbstzweck. Auch wenn akademische Bildung einen Eigenwert hat, stellt sich für die meisten Menschen irgendwann die Frage, wie es nach dem Abschluss weitergeht. Wer sich frühzeitig mit möglichen Berufsfeldern beschäftigt, kann seine Studienwahl mit konkreten Vorstellungen verknüpfen – statt blind darauf zu hoffen, dass sich nach dem Abschluss schon etwas ergibt.
Dabei lohnt es sich, zwischen direkten und indirekten Berufswegen zu unterscheiden. Medizin, Jura oder Lehramt führen zu klar definierten Berufen mit festgelegten Ausbildungswegen. Bei Fächern wie Soziologie, Geschichte oder Kulturwissenschaften ist der Weg ins Berufsleben breiter gestreut – das bedeutet mehr Flexibilität, aber auch mehr Eigeninitiative. Beide Wege können funktionieren. Es kommt darauf an, was zu dir passt.
Zukunftsthemen wie Künstliche Intelligenz verändern Berufsbilder in nahezu allen Branchen. Wer sich für Technologie interessiert, sollte sich mit den Möglichkeiten rund um KI im Studium → vertraut machen – unabhängig davon, ob man Informatik, Wirtschaft oder Geisteswissenschaften studiert. Digitale Kompetenzen werden branchenübergreifend relevanter.
Auch internationale Erfahrung spielt eine wachsende Rolle. Viele Arbeitgeber schätzen Bewerberinnen und Bewerber, die ein Auslandssemester → absolviert haben – nicht nur wegen der Sprachkenntnisse, sondern wegen der nachgewiesenen Fähigkeit, sich in unbekannten Umgebungen zu orientieren. Das lässt sich im Rahmen fast jedes Studiengangs realisieren, wenn man es frühzeitig plant.
Es gibt einige Überzeugungen, die sich bei der Studienwahl hartnäckig halten und in vielen Fällen zu schlechten Entscheidungen führen. Ein paar davon verdienen es, direkt angesprochen zu werden.
„Das Fach entscheidet über mein Gehalt." Das stimmt in dieser Absolutheit nicht. Zwar gibt es statistische Unterschiede im Einstiegsgehalt zwischen Fächern – Ingenieure verdienen im Schnitt mehr als Geisteswissenschaftlerinnen. Aber innerhalb eines jeden Faches gibt es enorme Bandbreiten, die stärker vom Unternehmen, der Region, der eigenen Vernetzung und den erworbenen Fähigkeiten abhängen als vom Fach allein.
„Mit diesem Fach weiß ich nicht, was ich danach machen soll." Viele Fächer ohne klares Berufsbild führen zu sehr diversen und spannenden Karrierewegen – genau weil die Absolventen gelernt haben, selbstständig zu denken, Probleme zu strukturieren und sich schnell in neue Themen einzuarbeiten. Diese Fähigkeiten sind auf dem Arbeitsmarkt gefragt, auch wenn der Weg dorthin weniger linear ist.
„Ich muss sofort wissen, was ich will." Das ist vielleicht der schädlichste Mythos. Selbsterkenntnis braucht Zeit und Erfahrung. Es ist völlig normal, mit einem ungefähren Richtungsgefühl zu starten und die Entscheidung im Laufe des Studiums zu schärfen. Orientierungssemester, Praktika und Nebenjobs sind legitime Werkzeuge auf diesem Weg.
„Wenn ich das falsche Fach gewählt habe, war alles umsonst." Ein Fachwechsel ist kein Scheitern. In vielen Fällen lassen sich Credits anrechnen, und das inhaltliche Wissen aus dem ersten Studium bleibt erhalten. Manche der erfolgreichsten Karrierewege entstehen aus unerwarteten Richtungswechseln.
Neben der Selbstreflexion gibt es eine Reihe von Instrumenten, die strukturierte Orientierung bieten. Keines davon sollte als alleinige Entscheidungsgrundlage dienen, aber als Ausgangspunkt für die eigene Analyse sind sie wertvoll.
Der Studienwahltest der Bundesagentur für Arbeit (StuFu) und das Programm CHECK-U bieten kostenlose, wissenschaftlich gestützte Assessments zu Interessen und Stärken. Beide sind online verfügbar und dauern weniger als eine Stunde. Das Ergebnis ist kein Fachvorschlag, sondern ein Profil, das dir zeigt, in welchen Bereichen du besonders stark motiviert und leistungsfähig bist.
Hochschulen bieten außerdem zunehmend Online-Self-Assessments an, die spezifisch für einzelne Studiengänge entwickelt wurden. Dort bekommst du einen Einblick in typische Aufgabenstellungen des Studiums und kannst prüfen, ob deine Herangehensweise zur Fachkultur passt.
Wer systematisch Studiengänge vergleichen möchte, findet auf dem Hochschulkompass der HRK und auf Plattformen wie Studycheck umfangreiche Bewertungen von Studierenden. Achte dabei nicht nur auf Gesamtnoten, sondern auf spezifische Kommentare zu Studienstruktur, Betreuungsqualität und Praxisbezug.
Denke beim Planen deines Studiums auch an die praktischen Seiten des Studierendenlebens. Ob Studentenrabatte → bei Verkehrsmitteln, Software oder Kulturangeboten – diese Vergünstigungen können den finanziellen Alltag spürbar erleichtern und gehören zur realistischen Kalkulation deines Studiums dazu.
Irgendwann ist die Recherchephase vorbei. Du hast Selbstreflexion betrieben, Hochschulen besucht, mit Studierenden gesprochen und Modulhandbücher gelesen. Jetzt geht es darum, aus all dem eine Entscheidung zu machen.
Ein hilfreicher Ansatz ist die sogenannte Bedauerns-Minimierung: Stell dir vor, du bist 70 Jahre alt und schaust auf dein Leben zurück. Welche Entscheidung würdest du weniger bereuen – diesen Weg versucht und vielleicht gewechselt zu haben, oder ihn gar nicht erst gegangen zu sein? Diese Perspektive trennt oft sehr klar, was sich nach echtem Interesse anfühlt und was nur nach einem sicheren Weg.
Wenn du dich entschieden hast, folgen die nächsten Schritte: Zulassungsvoraussetzungen prüfen, Bewerbungsfristen notieren, Wohnungssuche starten und Finanzierungsquellen klären. Prüfe dabei frühzeitig, ob du Anspruch auf staatliche Unterstützung hast – wer rechtzeitig einen Antrag auf BAföG → stellt, vermeidet unnötige finanzielle Engpässe in den ersten Wochen des Studiums.
Und falls du nach einem oder zwei Semestern merkst, dass die Wahl doch nicht gestimmt hat: Das ist keine Katastrophe. Es ist Erfahrung, die dich weiterbringt – und eine Grundlage, auf der du eine bessere Entscheidung treffen kannst als zuvor.