Erste Generation Studium

Deine Eltern haben nicht studiert. Niemand erklärt dir wie das funktioniert. Dieser Guide füllt genau diese Lücke.

40 % aller Studis sind Erstakademiker
992 €/Mo BAföG Höchstsatz
ArbeiterKind.de Mentor finden
0 € Kursgebühren staatl.
Absolvent mit Familie bei der Abschlussfeier — erste Generation Studium

Dieser Artikel ist für alle die als Erste in ihrer Familie studieren — und sich fragen was sie nicht wissen was sie nicht wissen. Keine Klugscheißerei, sondern das was fehlt wenn niemand in der Familie studiert hat.

Du weißt nicht wie man einen BAföG-Antrag stellt. Du hast keine Ahnung was eine Lehrveranstaltungsanmeldung ist. Du verstehst nicht warum manche Kommilitonen so selbstverständlich über "Credits" und "Workload" reden als wäre das normal.

Das ist kein Zeichen dass du nicht hierher gehörst. Das ist ein strukturelles Problem — das Studium wurde jahrzehntelang für Menschen designed die schon wussten wie es funktioniert.

Laut Deutschem Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) sind fast 40 % aller Studierenden in Deutschland Kinder aus Nicht-Akademiker-Familien. Du bist nicht allein.

Was dir niemand erklärt — aber jeder Akademiker-Kind weiß

BAföG muss VOR dem Studium beantragt werden

Nicht danach. Nicht im ersten Semester rückwirkend. Das Formular gibt es online (bafoeg.bmbf.de) und beim Studierendenwerk. Frist: Antrag einreichen bevor das Semester beginnt.

Die Universität ist keine Schule

Niemand sagt dir wann du kommen musst. Niemand schreibt dir wann Prüfungen sind. Du bist für deine Anmeldung selbst verantwortlich — wer die Frist verpasst, hat meistens keine zweite Chance in diesem Semester.

ECTS-Punkte sind die Währung des Studiums

Jede Lehrveranstaltung bringt Punkte (ECTS). Du brauchst eine bestimmte Anzahl um den Abschluss zu bekommen. Manche Kurse bringen 2 Punkte, manche 10 — das beeinflusst wie viel Zeit du investieren musst.

Sprechstunden sind kostenlos und unbegrenzt nutzbar

Jeder Profesor hat Sprechstunden. Du kannst hingehen und Fragen stellen. Kein Komilitone wird das nutzen — du schon. Das ist ein konkreter Vorteil.

Der AStA ist dein wichtigster Ansprechpartner

Der Allgemeine Studierendenausschuss berät kostenlos zu Rechten, Problemen, sozialen Leistungen. Fast niemand weiß das.

Finanzierung: Alle Optionen für Erstakademiker

Förderung Betrag Besonderheit
BAföG bis 992 €/Monat 50 % Zuschuss (nie zurück), 50 % zinsloses Darlehen. Antrag beim Studierendenwerk.
Deutschlandstipendium 300 €/Monat Direkt bei der Hochschule bewerben. Keine politische Bindung. Kombinierbar mit BAföG.
Stiftungsstipendien (z.B. Hans-Böckler) 600–800 €/Monat Fördern explizit Kinder aus Arbeiterfamilien. Bewerbung 1 Jahr vorher.
Werkstudentenjob bis 538 €/Monat (Minijob) oder mehr Mit Studentenprivileg: keine Sozialversicherung außer Rente. Bis 20h/Woche möglich.
Wohnheim 250–500 €/Monat Miete Über das Studierendenwerk — günstiger als Privatmarkt. Früh bewerben (6–12 Monate).
Krankenkasse (Familienversicherung) 0 € bis 25 Jahre Gratis wenn Eltern gesetzlich versichert. Sonst Studentenbeitrag ca. 122 €/Mo.

Mentoring und Netzwerke für Erstakademiker

ArbeiterKind.de

Größte Beratungsplattform für Erstakademiker. Kostenlos. Über 10.000 ehrenamtliche Mentoren die selbst Erstakademiker waren. Beratung per Chat, Telefon, Events.

Mentoring-Programme der Hochschulen

Fast jede Uni hat ein eigenes Programm für Studierende der ersten Generation. Beim Studierendenwerk oder Studienberatung fragen.

Fachschaften und Ersti-Events

In der ersten Woche finden O-Phase-Events statt. Dort lernst du Kommilitonen und Fachschaftsmitglieder kennen die alle Fragen beantworten können.

Online-Communities

Reddit r/Studieren, Discord-Server für Fachbereiche, Facebook-Gruppen der Studienorte. Für anonyme Fragen ideal.

Wichtige Guides für Erstakademiker

BAföG vollständig erklärt → Stipendien — alle Optionen → Erstsemester-Guide → Erste Hausarbeit schreiben → Immatrikulation erklärt → Lohnt sich ein Studium? → Was soll ich studieren? → Psychische Gesundheit im Studium →

Häufige Fragen: Erste Generation im Studium

Was bedeutet "erste Generation" im Studium? +
Du bist Erstakademiker oder Erststudierender der ersten Generation wenn du als erste Person in deiner Kernfamilie (Eltern, Geschwister) eine Hochschule besuchst. In Deutschland sind das laut DZHW ca. 40 % aller Studierenden — du bist also nicht allein. Was das konkret bedeutet: Kein familiäres Wissen über BAföG-Anträge, Studienstruktur, Prüfungsanmeldungen oder ungeschriebene Regeln an der Uni. Du musst dir alles selbst beibringen — oder weißt nicht einmal was du fragen müsstest. Genau dafür ist dieser Guide. Erstsemester-Guide →
Wie bekomme ich BAföG wenn meine Eltern wenig verdienen? +
Genau das ist der Fall für den BAföG gemacht wurde. Der Anspruch hängt direkt vom Elterneinkommen ab — wer wenig verdient, bekommt mehr BAföG. Aktueller Höchstsatz: 992 € pro Monat (2024/2025). Wichtig: BAföG beantragst du beim Studierendenwerk deiner Hochschule, nicht beim Jobcenter. Mach das VOR dem ersten Semester — rückwirkend gibt es kein BAföG. Die Hälfte des BAföG ist ein Zuschuss den du nie zurückzahlen musst, die andere Hälfte ist ein zinsloses Darlehen (max. 10.010 € Rückzahlung). Mehr: BAföG vollständig erklärt → | BAföG berechnen →
Welche Unterstützung gibt es speziell für Erstakademiker? +
Mehr als die meisten wissen: Stipendien: Viele Stipendiengeber fördern explizit Kinder aus Nicht-Akademiker-Familien — z.B. Hans-Böckler-Stiftung, Konrad-Adenauer-Stiftung, Studienstiftung des deutschen Volkes. Mentoring-Programme: Fast jede Uni hat ein "Erste Generation"-Programm oder vergleichbares Mentoring. Frag beim Studierendenwerk oder AStA nach. ArbeiterKind.de: Die größte Beratungsplattform für Erstakademiker in Deutschland — kostenlos, über 10.000 ehrenamtliche Mentoren. Studienkredite: Als Backup wenn BAföG nicht ausreicht: Studienkredit-Guide →. Stipendien für Erstakademiker →
Ich habe keinen, der mir beim Studium hilft — wie lerne ich die ungeschriebenen Regeln? +
Das ist die eigentliche Herausforderung für Erstakademiker — nicht das Fach, sondern das System. Was hilft: 1) Fachschaftsrat: Die Studierenden die die Fachschaft leiten, kennen alle Regeln, Prüfungsmodalitäten und Tricks. Geh in der ersten Woche hin. 2) Ältere Kommilitonen: Wer im 3.–4. Semester ist, weiß was im 1.–2. wichtig war. Frag konkret: "Was hättest du gerne im ersten Semester gewusst?" 3) Studiengangskoordinator: Jeder Studiengang hat einen — zuständig genau für Fragen die du dir nicht erklären kannst. 4) Online-Communitys: Reddit (r/Studieren, r/Hochschule), StudiVZ, fachspezifische Discord-Server. Erstsemester-Guide →
Wie schreibe ich eine Hausarbeit oder Seminararbeit? +
Hausarbeiten folgen an deutschen Hochschulen einem Standard der nie wirklich erklärt wird. Die Grundstruktur: Einleitung (Fragestellung + Aufbau), Hauptteil (Argumentation mit Quellen), Fazit (Beantwortung der Fragestellung), Literaturverzeichnis. Das Wichtigste: Jede Behauptung braucht eine Quelle. Plagiate werden mit Exmatrikulation bestraft. Formatvorgaben (Schriftgröße, Rand, Zeilenabstand) findest du im Lehrveranstaltungsinfoblatt — wenn nicht, frag direkt beim Dozenten. KI-Tools wie ChatGPT nutzen, aber selbst schreiben: ChatGPT für Hausarbeiten → | Hausarbeit schreiben — komplette Anleitung →
Fühle ich mich als Erstakademiker an der Uni wirklich fremd — und was kann ich dagegen tun? +
Das Gefühl "ich gehöre hier nicht hin" hat einen Namen: Impostor-Syndrom. Und es ist bei Erstakademikern besonders verbreitet. Was du wissen solltest: Dein Weg hierher war schwerer als der mancher Kommilitonen — das macht dich nicht schwächer, es macht dich widerstandsfähiger. Konkrete Strategien: Gruppen bilden mit anderen Erstakademikern (ArbeiterKind.de), psychologische Studierendenberatung nutzen (kostenlos, anonym, an fast jeder Uni), und: offen ansprechen wenn du dir Dinge nicht erklären kannst. Die Uni ist kein Naturtalent-Wettbewerb — sie ist lernbar. Psychische Gesundheit im Studium →
Kann ich studieren wenn ich finanzielle Engpässe habe? +
Ja — das ist der Normalfall für viele Erstakademiker. Die Kombination aus BAföG + Werkstudentenjob oder Minijob trägt die meisten durch das Studium. Wichtig: BAföG rechtzeitig beantragen, Krankenversicherung als Student (ca. 122 €/Monat über die Familienversicherung bis 25 gratis wenn Eltern gesetzlich versichert sind). Wohngeld als Student ist möglich wenn du keine Familienversicherung hast. Und: Universitätsstipendien (Deutschlandstipendium: 300 €/Monat) stehen auch Erstakademikern offen — Bewerbung bei der Hochschule. Finanzierungscheck: Studienfinanzierung komplett →
Ist ein Studium wirklich der richtige Weg für mich — auch ohne akademischen Hintergrund? +
Die Frage stellen sich Kinder aus Akademikerfamilien seltener — aber das sagt nichts über die Antwort. Ein Studium ist kein Classenvorteil mehr: Es ist eine Ausbildungsform wie andere. Was zählt: Passt das Studium zu deinen Stärken und deinem Ziel? Wenn du in einem Feld arbeiten willst das akademischen Abschluss voraussetzt (Arzt, Lehrer, Ingenieur, Jurist): Studium. Wenn nicht: Ausbildung ist kein schlechter Weg. Was Erstakademiker oft unterschätzen: Die Selbstdisziplin und Frustrationstoleranz die du mitbringst weil es bei dir niemand selbstverständlich fand — die ist an der Uni ein echter Vorteil. Lohnt sich ein Studium? → | Ausbildung oder Studium →
L
Leon Fischer Redakteur, StudierenGuru

Hat als Kind einer Nicht-Akademiker-Familie selbst erlebt wie es ist sich alles selbst beibringen zu müssen. Schreibt für StudierenGuru über alles was zwischen den Zeilen des offiziellen Studiumsführers fehlt.

Video-Erfahrungsberichte

Motiviert Studiert - Mit Dr. Daniel Hunold · 13 Min

Generation Erfolg · 5 Min

TEDx Talks · 5 Min

Erste Generation im Studium: Erfahrungen, Herausforderungen und konkrete Tipps

Wer als Erste oder Erster in der Familie studiert, betritt Neuland – und das in vielerlei Hinsicht. Kein Elternteil, das erklärt, was eine Sprechstunde ist. Kein Geschwisterkind, das die Hausarbeitsformate kennt. Kein familiäres Netzwerk, das Praktikumsstellen weitergibt. Gleichzeitig bringen Erstakademiker:innen etwas mit, das oft unterschätzt wird: eine außergewöhnliche Motivation, einen anderen Blick auf Bildung und die Fähigkeit, sich in unbekannten Situationen zu behaupten. Dieser Artikel richtet sich an alle, die diesen Weg gerade beginnen oder mitten drin stecken – mit ehrlichen Einblicken, strukturierten Tipps und verlässlichen Informationen.

Was bedeutet „Erste Generation" im Studium überhaupt?

Der Begriff „First-Generation Student" bezeichnet Studierende, deren Eltern keinen Hochschulabschluss haben. In Deutschland ist diese Gruppe größer als viele denken: Rund die Hälfte aller Studierenden stammt aus akademischen Elternhäusern, obwohl diese nur etwa ein Viertel der Bevölkerung ausmachen. Das bedeutet im Umkehrschluss: Kinder aus Nicht-Akademiker-Familien sind im Hörsaal strukturell unterrepräsentiert.

Das ist keine Frage von Intelligenz oder Fleiß. Es ist eine Frage von Kapital – nicht nur finanziellem, sondern vor allem sozialem und kulturellem. Wer zu Hause nie über Semesterpläne, Notenschnitte oder Bachelorarbeiten gesprochen hat, muss sich dieses Wissen im Studium erst aneignen. Das kostet Zeit, Energie und manchmal auch Nerven. Gleichzeitig ist es erlernbar – wenn man weiß, wo man anfangen soll.

Die unsichtbaren Hürden: Was wirklich schwierig ist

Wer das erste Mal einen Fuß in eine Hochschule setzt, erlebt schnell, was Bildungsforscher als „Hidden Curriculum" bezeichnen: ein unsichtbares Regelwerk aus ungeschriebenen Erwartungen, Umgangsformen und Selbstverständlichkeiten, das nirgendwo in der Studienordnung steht. Dazu gehört zum Beispiel zu wissen, dass man Professorinnen und Professoren in Sprechstunden auch dann ansprechen darf, wenn man keine konkreten Fragen hat. Oder dass eine Hausarbeit nicht bedeutet, Wissen zusammenzufassen, sondern eine eigene Argumentation zu entwickeln.

Hinzu kommt das sogenannte Impostor-Syndrom: das anhaltende Gefühl, nicht wirklich dazuzugehören, obwohl man den Studienplatz durch eigene Leistung bekommen hat. Dieses Gefühl ist bei Erstakademiker:innen besonders verbreitet und kann dazu führen, dass Chancen nicht genutzt werden – Wortmeldungen im Seminar bleiben aus, Praktikumsbewerbungen werden nicht verschickt, Beratungsangebote nicht wahrgenommen.

Ein weiteres konkretes Problem ist die finanzielle Situation. Viele Erstakademiker:innen stammen aus Haushalten mit niedrigerem Einkommen und müssen neben dem Studium arbeiten. Das schränkt die Zeit für Lernen, Netzwerken und Praktika erheblich ein. BAföG → wäre hier ein wichtiges Instrument – wird aber nur von rund elf Prozent der Studierenden tatsächlich genutzt, obwohl deutlich mehr einen Anspruch hätten. Der Grund: Viele beantragen es gar nicht erst, weil sie sich nicht sicher sind oder den bürokratischen Aufwand scheuen.

Finanzierung realistisch planen: BAföG, Stipendien und mehr

Geld ist kein nebensächliches Thema, wenn man ohne familiäres Sicherheitsnetz studiert. Eine realistische Studienfinanzierung → zu planen ist deshalb eine der wichtigsten Aufgaben noch vor dem ersten Semester.

BAföG ist der bekannteste Baustein – aber nicht der einzige. In Deutschland gibt es dreizehn staatlich geförderte Begabtenförderungswerke, die Stipendien vergeben. Viele davon fördern ausdrücklich Studierende aus bildungsfernen Elternhäusern. Die Bewerbungsvoraussetzungen sind nicht zwingend ein Einser-Abitur: Engagement, Persönlichkeit und der eigene Hintergrund spielen ebenfalls eine Rolle. Wer das nicht weiß, bewirbt sich oft gar nicht erst.

Daneben lohnt es sich, hochschulinterne Förderangebote zu recherchieren. Viele Universitäten haben eigene Fonds, Notfalldarlehen oder Stipendienprogramme für Erstakademiker:innen. Diese sind oft weniger bekannt als die großen Förderwerke, aber deutlich leichter zugänglich.

Wer aus einem Nicht-Akademiker-Haushalt kommt, steht häufig auch vor der grundsätzlichen Frage: Studium oder Ausbildung? Beide Wege haben Vor- und Nachteile, die stark von der persönlichen Ausgangssituation abhängen. Eine Ausbildung bedeutet frühzeitiges Einkommen, einen direkten Berufseinstieg und – gerade in Mangelberufen – oft ausgesprochen gute Einstiegschancen. Ein Studium bietet langfristig häufig höhere Gehaltsperspektiven und mehr Flexibilität bei der Berufswahl. Das duale Studium verbindet beide Wege: Man verdient während des Studiums ein Gehalt, sammelt Praxiserfahrung und schließt trotzdem mit einem anerkannten Hochschulabschluss ab.

Vergleich: Studium, Ausbildung und duales Studium auf einen Blick

Kriterium Studium Ausbildung Duales Studium
Dauer 3–5 Jahre 2–3,5 Jahre 3–4 Jahre
Einkommen während Keines (ggf. BAföG/Jobben) Ausbildungsgehalt Vergütung vom Unternehmen
Abschluss Bachelor/Master IHK/Kammerabschluss Bachelor + Berufsabschluss
Praxisbezug Mittel (Praktika) Sehr hoch Sehr hoch
Netzwerk Hochschule, Kommiliton:innen Betrieb, Branche Hochschule + Unternehmen
Geeignet wenn Klares Studienziel, Stipendium/BAföG möglich Finanzielle Unabhängigkeit wichtig Sicherheit + Abschluss gewünscht

Was Erstakademiker:innen aus eigener Erfahrung berichten

Wer als erste Person in der Familie studiert, erlebt Situationen, die sich kaum in Worte fassen lassen – bis man mit jemandem spricht, der dasselbe durchgemacht hat. Viele berichten von dem Moment, in dem sie zum ersten Mal in einem Seminarraum saßen und das Gefühl hatten, alle anderen wüssten genau, was sie tun. Dieses Gefühl täuscht fast immer. Aber es ist real.

Ein häufig genanntes Thema ist die Zerrissenheit zwischen zwei Welten: Das alte soziale Umfeld versteht manchmal nicht, warum man studiert, was das bringt und warum man nicht einfach arbeiten geht. Das neue akademische Umfeld fühlt sich fremd an. Diese kulturelle Distanz kann zu Isolation führen – und sie ist eine der am meisten unterschätzten Herausforderungen des Studiums als Erstakademiker:in.

Der Schlüssel liegt oft nicht darin, sich vollständig anzupassen, sondern darin, die eigene Perspektive als Stärke zu begreifen. Wer nicht aus einer akademischen Familie kommt, bringt häufig praktische Lebenserfahrung, Eigenverantwortung und eine Motivation mit, die sich nicht künstlich erzeugen lässt. Diese Qualitäten sind im Berufsleben gefragt – und in vielen Studiengängen ebenso. Der eigene Hintergrund ist kein Makel, der versteckt werden muss. Er ist Teil der Biografie und oft genug eine echte Kompetenz.

Gleichzeitig ist es wichtig, sich die Ressourcen zu holen, die einem niemand automatisch anbietet. Schreibzentren, psychologische Beratungsstellen, Mentoring-Programme, Auslandsstipendien – das alles existiert an deutschen Hochschulen. Die meisten Erstakademiker:innen wissen davon zu Beginn nichts oder trauen sich nicht, es zu nutzen. Das ist verständlich. Es ist aber vermeidbar.

Schritt-für-Schritt: So gelingt der Start ins Studium als Erstakademiker:in

  1. Studienberatung aufsuchen – Noch vor der Immatrikulation: Die Zentralen Studienberatungen an Hochschulen sind kostenlos, vertraulich und speziell für Orientierungsfragen da. Nicht erst im dritten Semester.
  2. BAföG-Antrag stellen – Auch wenn man unsicher ist: Den Antrag ausfüllen und einreichen. Wer keinen Anspruch hat, bekommt einen Ablehnungsbescheid. Wer Anspruch hat, bekommt Geld, das nicht zurückgezahlt werden muss – zur Hälfte. Im Zweifel beim Studentenwerk nachfragen.
  3. Stipendien recherchieren – Schon im ersten Semester beginnen. Die Bewerbungsfristen der großen Förderwerke liegen oft im ersten oder zweiten Semester. Wer wartet, verpasst sie.
  4. Kommiliton:innen in ähnlicher Lage finden – Viele Hochschulen haben Gruppen oder Netzwerke für First-Gen-Studierende. Wenn nicht: selbst gründen. Das Gefühl, nicht allein zu sein, verändert viel.
  5. Mentor:in suchen – Formal über Hochschulprogramme oder informell über Lehrende, Karrieredienste oder Alumni-Netzwerke. Ein einziger Ansprechpartner mit Hochschulerfahrung kann entscheidend sein.
  6. Hochschulressourcen aktiv nutzen – Schreibzentrum, Statistikberatung, Bibliothekseinführungen, psychologische Beratung: All das ist in den Semesterbeiträgen enthalten und gehört genutzt.
  7. Auslandssemester frühzeitig einplanen – Ein Auslandssemester → klingt für viele Erstakademiker:innen unerreichbar. Durch ERASMUS+ und andere Förderprogramme ist es das aber oft nicht. Die Finanzierung steht, wenn man früh genug plant.
  8. Digitale Werkzeuge kennenlernen – Von Literaturverwaltung bis zu KI-gestützten Lerntools: Wer KI im Studium → richtig einsetzt, spart Zeit und verbessert die Qualität der eigenen Arbeit. Auch das ist erlernbar.

Fernstudium als Alternative: Chancen und Grenzen

Für manche Erstakademiker:innen ist ein klassisches Präsenzstudium aus familiären oder finanziellen Gründen nicht realisierbar. Wer einen Angehörigen pflegt, bereits arbeitet oder weit von einer Hochschule entfernt wohnt, denkt häufig über ein Fernstudium nach. Das ist ein legitimer Weg – aber er hat eigene Anforderungen, die man kennen sollte.

Ein Fernstudium verlangt ein hohes Maß an Selbstorganisation und intrinsischer Motivation. Es gibt keinen festen Stundenplan, keinen Hörsaal, der einen zum Erscheinen zwingt, und weniger spontane soziale Kontakte zu Kommiliton:innen. Wer sich diese Struktur nicht selbst aufbaut, läuft Gefahr, den Anschluss zu verlieren. Das Risiko für Studienabbrüche ist bei Fernstudiengängen nachweislich höher als im Präsenzstudium.

Gleichzeitig bietet das Fernstudium echte Vorteile: zeitliche Flexibilität, die Möglichkeit, parallel zu arbeiten, und eine ortsunabhängige Studiengestaltung. Wer diszipliniert genug ist und aktiv Wege sucht, soziale Isolation zu vermeiden – etwa über Online-Lerngruppen, Präsenzwochenenden oder Hochschulnetzwerke – kann dieses Modell erfolgreich nutzen. Wichtig ist, die eigene Arbeitsweise vorher ehrlich einzuschätzen.

Wer ein Fernstudium in Erwägung zieht, sollte außerdem die Kosten im Blick behalten. Viele Fernhochschulen sind privat und verlangen monatliche Gebühren. Diese lassen sich teilweise durch Bildungsprämien, Arbeitgeberförderung oder – je nach Anbieter – durch BAföG finanzieren. Auch hier lohnt sich eine frühe Beratung durch das Studentenwerk.

Netzwerk, Sichtbarkeit und der nächste Schritt

Eines der größten strukturellen Nachteile von Erstakademiker:innen ist das fehlende Netzwerk. Akademische Karrieren und Berufseinstiege laufen zu einem erheblichen Teil über informelle Kontakte – über Empfehlungen, Praktikumsplätze im Bekanntenkreis, Hinweise auf offene Stellen, die nirgendwo ausgeschrieben sind. Wer diese Kanäle nicht kennt oder nicht bedient, startet mit Rückstand.

Das lässt sich kompensieren – aber es erfordert aktiven Aufwand. Netzwerke entstehen nicht von selbst. Wer in Seminaren mitdiskutiert, Professuren nach Lektüreempfehlungen fragt, Fachschaftsarbeit macht oder Konferenzen besucht, baut langsam ein eigenes akademisches Netzwerk auf. Wer Studentenrabatte → für Konferenztickets, Fachliteratur oder Berufsverbände nutzt, spart dabei gleichzeitig Geld.

Sichtbarkeit im akademischen Umfeld ist keine Frage der Herkunft. Sie ist eine Frage der Strategie und des Muts, sich zu zeigen – auch wenn das zunächst ungewohnt ist. Wer die erste Person in der Familie ist, die studiert, ebnet damit auch den Weg für alle, die danach kommen. Das ist eine Verantwortung – aber auch eine Chance, die kaum jemand sonst hat.